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17.04.08

Ach wie gut, dass niemand weiss: Benutzernamen in OS X

Jeder Besitzer eines Macs macht es einmal durch, manchem fällt auf, wie schwerwiegend diese Entscheidung sich später erweist, und einige (nicht wenige) verbrennen sich die Finger daran, ihre erste Entscheidung rückgängig zu machen: die Festlegung des kurzen Benutzernamens unter Mac OS X.


Apple macht es seinen Kunden denkbar einfach, den Computer einzurichten, wenn er das erste Mal angeschlossen wird. Niemandem wird jedoch so recht bewusst, dass eine Entscheidung beinahe unumkehrbar bleibt: Nach Eingabe des eigenen Namens füllt sich die Zeile mit dem kurzen Benutzernamen von selbst aus. Es ist die klein geschriebene Variante des vollen Namens, ohne Leerzeichen, Punkt oder Komma. Es lässt sich noch ohne Weiteres etwas Anderes eintragen. Jedoch nur jetzt, nur hier.


Doch darüber denkt erst mal niemand nach. Erst später, wenn der Rechner jemand anderem übergeben wird, das Benutzerkonto aber das Selbe bleibt, oder ein eigenes Account eingerichtet wurde für das Geschäftliche, jetzt aber der Arbeitgeber gewechselt hat, wird bewusst: in jedem Finderfenster erinnert neben dem kleinen Häuschen an den ehemaligen Arbeitgeber, an den vorigen Besitzer des Macs.


Der lange Name kann schon längst geändert sein (in den Systemeinstellungen unter "Benutzer"), die Rechnerbezeichnung im Netzwerk ist vielleicht auch schon geändert (... unter "Sharing"), doch der Kurze ist immer noch der Selbe. Das kann nerven. Was läge näher, den Ordner im Finder einfach umzubenennen?


NICHT MACHEN!


Es gibt Wege, die sind lang und steinig, aber führen (fast) immer zum Erfolg.

Zur besseren Übersichtlichkeit und um die Ungeduld zu befriedigen, sei hier zuerst beschrieben, was zu tun ist, und danach, warum dies so kompliziert sein muss.


Die Praxis


Bis System 10.4.x
Für die Systeme 10.3 (Panther) und 10.4 (Tiger) hat Dan Frakes ein kleines Programm namens ChangeShortName geschrieben, um weitgehend problemlos die Veränderungen vorzunehmen, die für die Änderung des Kurznamens notwendig sind. "Weitgehend" deshalb, weil auch Dan Frakes warnt, dass es trotzdem zu unvorhergesehenen Problemen kommen kann, je nachdem, was für Software sonst noch auf dem betroffenen System läuft.
Bei 10.5 lässt sich vorerst nur eine Methode per Hand vornehmen, die sich einigermassen schnell durchführen lässt. Dan Frakes beschreibt sie in der MacWorld, und hier folgt die deutsche Übersetzung:

Warnung:
Es kann Probleme geben mit Programmen, die Verweise auf Dateien in absoluten Pfaden speichern. Falls sich der Kurzname ändert, finden diese Programme nicht mehr ihre Einstellungen, Ressourcen... Genau so geht es Time Machine: Dies fängt erneut mit einem kompletten Backup an, da es davon ausgeht, von diesem Nutzer noch nichts gespeichert zu haben.


  1. Vorbereitungen

    "Automatisches Anmelden" muss deaktiviert werden (in den "Benutzer"-Einstellungen), ebenso FileVault (unter "Sicherheit"). Beide Funktionen können nach dem Vorgang wieder aktiviert werden.

  2. Anmelden

    Das Nutzerkonto, das geändert werden soll, darf nicht angemeldet sein. Also als jemand Anderes anmelden, mit Admin-Rechten ("Darf den Rechner verwalten"). Eventuell ein Konto "Reparatur" anlegen, welches später wieder gelöscht werden kann. Dann abmelden und als "Reparatur" neu anmelden.

  3. Benutzerkonto umstellen


    • In die Systemeinstellungen, Abteilung "Benutzer" gehen. Unten aufs Schloss klicken und sich als Administrator augeben.

    • Dann bei gedrückter ctrl-Taste auf den Benutzer klicken, der umbenannt werden soll. Es erscheint der Befehl "erweiterte Optionen ...", und dieser ist nicht umsonst versteckt! Das Fenster, das sich öffnet, beginnt mit einer eindringlichen Warnung, die ernst genommen werden sollte.

    • Hier wird der Kurzname in den neuen Kurznamen umbenannt, der Benutzerordner ebenfalls. Wenn der alte Kurzname "fritz" war und der neue "horst" sein soll, muss unter Benutzerordner jetzt "/Users/horst" stehen.

    • Jetzt "OK" klicken, die Systemeinstellungen können beendet werden.


    Erweiterte Optionen
  4. Terminal

    Im Terminal kommt es auf jeden Buchstaben an, also genau und vorsichtig tippen!
    Dieses Programm findet sich unter Programme/Dienstprogramme. In diesem wird mit einem Befehl der Inhalt des alten Benutzerordners an den neuen richtigen Ort umgeleitet, der zum neuen Benutzer-Kurznamen passt.
    War der alte Kurzname anne und der neue ist inge, muss der eingetippte Befehl so aussehen:

    sudo mv /Users/anne /Users/inge

    Hiess der alte Besitzer fritz und der neue heisst horst, dann folgendermaßen:

    sudo mv /Users/fritz /Users/horst

    Alles in einer Zeile und mit genau diesen Leerzeichen. Danach wird nach dem Passwort des aktuellen Administrators gefragt, bitte eingeben und nicht wundern, dass sich die Eingabemarke nicht bewegt, das ist normal. Das Terminal zeigt keine ausführlichen Ergebnisse, wenn es fertig ist, zeigt es den selben Zeilenanfang wie zum Start des Programms.


  5. Neustart

    Danach eventuell wieder FileVault oder das automatische Anmelden aktivieren, und bei Bedarf das frisch angelegte Konto "Reparatur" wieder löschen.




Das war's. Falls Web Sharing aktiviert ist und der Webserver jetzt den Fehler 403 hervorbringt, hat Apple eine kleine Reparatur anzubieten.

Die Theorie

Das Betriebssystem lässt aus gutem Grund im "Benutzer"-Feld das Umstellen des Kurznamens nicht zu. Dass dies im Finder jedoch ganz einfach ist, birgt eine der größten Gefahren unter OS X, die einem Anwender so drohen.

Was passiert? Erst mal nichts. Während des Betriebs weiss das Betriebssystem noch, wo was liegt, es hat sich alle notwendigen Verzeichnisse beim Anmelden des Benutzers gemerkt, also ist ihm erst mal wumpe, wie der Nutzerordner gerade heisst. Meldet sich der Nutzer irgendwann jedoch einmal ab oder startet den Rechner neu, beginnt das Debakel.

Das Betriebssystem kennt jeden Nutzer erst mal nur beim Kurznamen. Der lange Name ist schmückendes Beiwerk, eine Arbeitserleichterung. Ein Beispiel: Horst Zweitnutzer hat den Rechner von Fritz Erstkäufer übernommen. Er meldet sich seit langem mit Horst Zweitnutzer an, jedoch steht an seinem Benutzerordner immer noch "fritz". Irgendwann benennt er seinen Nutzerordner in "horst" um, und da sein Apple so stabil läuft, startet er die nächsten 2 Wochen seinen Mac nicht neu. Alles scheint gut zu laufen, Häuschen heisst jetzt horst, und alle sind zufrieden. Dann jedoch startet er neu, und alle seine Daten sind futsch! Musik, Bildschirmhintergrund, Fotos, Filme, Steuererklärung - alles weg! Und warum? Meist fehlt dann sogar die Erinnerung daran, dass Horst vor einiger Zeit sein Häuschen horst nannte.

Das System hat ein Verzeichnis für die erlaubten Nutzer, und die ist sortiert nach Kurznamen. Jetzt meldet sich Horst Zweitnutzer an, der in diesem Verzeichnis immer noch fritz heisst, und das System sucht nach dem Benutzerordner, der fritz heisst. Der wurde aber von hand in horst umbenannt und kann nicht gefunden werden.
Also legt das System einen neuen Benutzerordner an, malt ein Häuschen daneben, nennt es "fritz" und tut so, als wäre da ein neuer Nutzer. Inzwischen lungert ein einsamer Ordner namens horst im Verzeichnis "Benutzer", wie ein Haus ohne Hüter, ein Bahnhof ohne Schienenanbindung. Dort sind alle Daten drin, sauber sortiert, die Horst Zweitnutzer jetzt erwartet hätte in seinem Konto. Und er ist Meilen entfernt davon, sie wieder einfach nutzen zu können.

Um den Kurznamen effektiv zu ändern, muss sowohl dem System gesagt werden, dass es Horst gibt, und dann die Daten zugeordnet werden. Genau genommen wird damit ein neuer Nutzer angelegt und die Zuordnung umgelegt. Um die Metaphern von vorhin weiter zu strapazieren: Horst muss ein neues Haus besorgen und das Mobiliar herübertragen. Der Bahnhof braucht Schienen und einen Abfahrtsplan.

Falls es nun zu spät ist für kluge Worte, muss zuerst der Urzustand wiederhergestellt werden. Dafür werden die Daten aus dem Verzeichnis mit dem neuen Kurznamen zurückkopiert in den Ordner mit dem alten Benutzernamen. Am besten ist auch da das Einloggen als unbeteiligter Dritter und der Befehl
sudo mv /Users/neu /Users/alt
und ein Durchlauf mit dem Festplatten-Dienstprogramm, "Volume-Zugriffsrechte reparieren". Anschliessend lässt sich die oben beschriebene Prozedur sauber durchführen.